• Dreimal die Neat!

Dreimal die Neat!

25.06.2020 KATHRIN ELIASSON MSc Business & Economics Ökonomin Volkswirtschaft und Immobilienmarkt beim HEV Schweiz

Leserumfrage – Die HEV-Mitgliederumfrage hat gezeigt, dass unsere Mitglieder jährlich riesige Summen in Unterhalt und Renovation ihres Wohneigentums investieren. Das kommt auch dem Klima zugute.

An der grossen HEV-Mitgliederumfrage haben im Sommer 2019 20 000 Mitglieder teilgenommen. Die Auswertung hat uns spannende Informationen geliefert: Wer ist Mitglied beim Hauseigentümerverband, wie viel wird in die Liegenschaft investiert und welche Arbeiten werden in diesem Zusammenhang durchgeführt?

44 Prozent der HEV-Mitglieder sind bereits pensioniert. Auch aus gesamtschweizerischer Sicht sind Wohneigentümer eher älter. Nur ein Drittel der Personen unter 40 Jahren bewohnt seine eigenen vier Wände, obwohl der Traum vom Eigenheim ungebrochen zu sein scheint. Wer bereits Wohneigentum besitzt, will dieses nur ungern verlassen. Mehr als die Hälfe der Befragten möchte auch im Alter im eigenen Haus wohnen bleiben, mit zunehmendem Alter wird dieser Wunsch sogar noch stärker.

BEVÖLKERUNG NACH GEBÄUDEKATEGORIE UND ALTERSKLASSE DER PERSON, 2016

In der Schweiz träumen viele junge Menschen vom Eigenheim. Die eigenen vier Wände bewohnt aber nur ein Drittel der Personen unter 40 Jahren. QUELLEN BFS, GWS

47 Milliarden investiert

In den vergangenen fünf Jahren haben 80 Prozent der Befragten in ihr Wohneigentum investiert. Mehr als ein Viertel der Befragten ersetzte die Heizung. Hieraus kann geschlossen werden, dass Heizungen jeweils nach einem Lebenszyklus von 20 bis 25 Jahren ersetzt werden. Weitere 18 Prozent sorgten für die energetische Optimierung ihrer Gebäudehülle und 10 Prozent installierten eine Photovoltaik-Anlage. In absoluten Zahlen dürften also knapp 30 000 solcher Anlagen installiert worden sein.

Bei der Mehrheit der Eigentümer lag das Investitionsvolumen zwischen 25 000 und 50 000 Franken. Weitere 20 Prozent der Eigentümer investierten bis zu 100000 Franken. Rechnet man die Investitionssummen auf alle Mitglieder des HEV Schweiz hoch, erhält man ein Gesamtvolumen von 47,6 Milliarden Schweizer Franken innerhalb der letzten fünf Jahre – damit hätte man die Neat gleich zweimal bauen können.

INVESTITIONEN IN IMMOBILIENEIGENTUM NACH ZWECKEN

In den vergangenen fünf Jahren haben 80 Prozent der befragten HEV-Mitglieder in ihr Wohneigentum investiert. QUELLE HEV SCHWEIZ

Das Beispiel der Heizung zeigt, dass die Wohneigentümer ihre Liegenschaften den Erneuerungszyklen entsprechend unterhalten und erneuern. Übereinstimmend liegt auch die Erneuerungsrate des schweizerischen Gebäudebestandes deutlich über dem zitierten Wert von einem Prozent. Dieser bezieht sich lediglich auf Gesamtsanierungen und blendet aus, dass auch Einzelmassnahmen eine Verbesserung der Energieeffizienz und eine Reduktion des Treibhausgasausstosses mit sich bringen.

Weitere energetische Verbesserungen geplant

Auch für die nächsten fünf Jahre sind von den Mitgliedern Investitionen in die Liegenschaften vorgesehen. Bereits geplant sind Aufwendungen im Umfang von 23 Milliarden Franken. Ein Betrag, mit dem eine dritte Neat realisiert werden könnte. Dabei zeigt sich eine Verschiebung der Arbeiten hin zu einer stärkeren Energieeffizienz, insbesondere neue Heiztechnologien gewinnen an Bedeutung.

Deutlich weniger CO2 durch das Wohnen

Diese Investitionen zeigen bereits heute eine messbare Wirkung. Der Ausstoss an Treibhausgasen durch die Gebäude in der Schweiz ist gegenüber 1990 um 34 Prozent gesunken, wie aus der Emissionsstatistik des Bundesamts für Umwelt hervorgeht. Während ein Einfamilienhaus, das 1970 gebaut wurde, noch 22 Liter Öl pro Quadratmeter verbrauchte, waren es 1990 noch 12 Liter. Ein heutiger Neubau benötigt lediglich noch 3,8 Liter. Zudem wird diese Wärmeenergie meist erneuerbar bereitgestellt.

Der Anteil der Haushalte am gesamten Treibhausgasausstoss lag 1990 bei 22 Prozent. Bis 2018 konnte dieser Wert auf 17 Prozent gesenkt werden. Dies zeigt auf, dass die Haushalte – und damit massgebend der Gebäudebereich – überdurchschnittlich viel bezüglich der Treibhausgassenkung erreicht haben. Gleichzeitig wuchs die Bevölkerung von 6,6 Millionen Einwohnern im Jahr 1990 auf 8,5 Millionen im Jahr 2018. Wird der Treibhausgasausstoss der Haushalte pro Kopf berechnet, so resultiert eine Halbierung des Ausstosses gegenüber 1990. Die Liegenschaftsbesitzer hätten die Ziele für das Jahr 2030 bezüglich ihrer Gebäude also bereits vor zwei Jahren erreicht.